13.03.2026

Chefs mit Kind erhalten mehr freiwillige Unterstützung als Chefinnen

St.Gallen - Männliche Führungskräfte und Väter sind gegenüber weiblichen Führungspersonen mit Kleinkind im Vorteil, wenn es um die freiwillige Unterstützung ihrer Mitarbeitenden geht. Eine Studie der Universität St.Gallen spricht diesbezüglich von Vaterschaftsbonus und Mutterschaftsmalus.

(CONNECT) Unterstützung in Arbeitsteams ist selten geschlechtsneutral. Das ist das Ergebnis einer Studie von Jamie Gloor, die an der Universität St.Gallen als Professorin für Leadership und Diversity Science forscht und lehrt. Demnach erhalten männliche Führungskräfte bei familiären Verpflichtungen deutlich mehr freiwillige Unterstützung als ihre Kolleginnen. Die Studie nennt das den Fatherhood Bonus. Denn laut Daten aus drei miteinander verbundenen Studien mit rund 1200 Teilnehmenden sind Mitarbeitende eher motiviert, männlichen Führungskräften zu helfen, wenn sie unter einem sogenannten Work-Family-Konflikt leiden, als weiblichen.

Der Grund dafür liegt laut Prof. Gloor in hartnäckigen, traditionellen Rollenbildern: Beim Mann weicht familiärer Stress von den Erwartungen hinsichtlich der Beteiligung von Männern an Betreuungs- und Sorgeaufgaben ab, während derselbe Stress bei Frauen eher als normal angesehen wird. „Soziale Dynamiken am Arbeitsplatz sind mächtig und oft unbewusst“, wird Prof. Gloor in einer Mitteilung zur Studie zitiert. „Obwohl wir helfen, weil wir helfen wollen, wird unser Unterstützungsverhalten durch tief verankerte Erwartungen bezüglich Männern und Frauen geprägt.“

Dadurch würden bestehende Ungleichheiten zementiert: dem Fatherhood Bonus stehe die Motherhood Penalty gegenüber. Das bedeutet, für Männer sinkt der Stress, während gleichzeitig ihre Sichtbarkeit und ihr Erfolg steigen. Frauen würden genau in diesen Bereichen häufig übersehen.

Gleichstellung ist mehr als formale Gleichbehandlung, folgert die Studie. Unternehmen sollten sowohl formale Richtlinien, etwa bei Elternzeitregelungen, als auch die informelle Unternehmenskultur prüfen, beispielsweise bei freiwilligen Unterstützungsnetzwerken. Denn gut gemeinte Unterstützung am Arbeitsplatz könne Fortschritt für Gleichstellung ermöglichen – vorausgesetzt, sie werde ausgewogen verteilt. ce/mm